Lange Zeit war «KI» in WordPress ein „Add-on“. Etwas, das man per Plugin nachrüstete. Mit WordPress 7.0 ändert sich das grundlegend. Die Plattform macht «KI» zum integralen Bestandteil der Core-Funktionalität. «KI» ist nicht mehr nur ein Feature, sondern wird zur Infrastruktur. Genau darum ging es bei unserem Meetup im April 2026.
Doch diese neue Freiheit bringt eine Herausforderung mit sich: Da die Integration tief im System sitzt, haben wir in WordPress aktuell noch keine direkte Kontrolle darüber, wie viele Token wir verbrauchen. Umso wichtiger ist es, die Architektur dahinter zu verstehen.
Hier sind die vier Bausteine, die WordPress in ein «KI-Betriebssystem» verwandeln.
1. Das PHP AI Client SDK: Die Brücke zu den Giganten
Der erste Baustein ist das PHP AI Client SDK. Es agiert provider-agnostisch. Das bedeutet: Dem WordPress-Core ist es egal, welches Sprachmodell im Hintergrund rechnet.
- Provider-Vielfalt: Ob Anthropic, Google Gemini oder OpenAI – WordPress 7.0 liefert offizielle Konnektoren für die grossen Drei mit. Etwaige andere LLMs können via Plugin (falls vorhanden) eingebunden werden.
- Etwas Kontrolle im Code: Entwickler können Parameter wie die Temperature (z. B. 0.7 für eine gute Mischung aus Kreativität und Fokus) direkt im Code festlegen.
- Sicherheit zuerst: Bevor ein Request rausgeht, sollte immer erst ein „Test“ erfolgen, um die Verbindung zu validieren.
Die Konnektoren lassen sich bequem in den neuen Einstellungen von WordPress 7.0 verwalten und verknüpfen.
2. Abilities API: WordPress spricht „Maschine“
Damit eine «KI» mit WordPress interagieren kann, muss sie verstehen, was das System überhaupt tun kann. Hier kommt die Abilities API ins Spiel (deren Grundstein bereits in Version 6.9 gelegt wurde).
Sie macht WordPress-Funktionen maschinenlesbar.
Das Geniale: Die Kombination aus Abilities und AI-Client sorgt für eine saubere Trennung. Die Ability definiert die Schnittstelle, der AI-Client übernimmt die Kommunikation. Ein Plugin, das diese Struktur nutzt, muss weder die API-Details noch den spezifischen Anbieter (wie OpenAI) kennen.
3. MCP-Adapter: Der offene Standard für faule (und smarte) Entwickler
Das Model Context Protocol (MCP) ist vielleicht der spannendste Baustein. Es ist ein offener Standard, der die Kommunikation radikal vereinfacht.
Man könnte sagen, es ist die „faulste“ Methode, eine Schnittstelle zu bauen:
- Der KI-Assistent fragt: „WordPress, was kannst du?“
- WordPress antwortet dank MCP einfach mit einer Liste seiner Abilities.
Aktuell ist der WP MCP-Adapter noch in einer frühen, etwas „bröckeligen“ Phase. Er kann bereits Abilities auflisten, Details abrufen und erste Befehle ausführen, um beispielsweise Beiträge anzulegen oder Ressourcen zu verwalten. Das Ziel: Eine nahtlose Interaktion zwischen externen KI-Tools und der WordPress-Datenbank.
4. AI Experiments Plugin: Das Testlabor
Wer die Zukunft schon heute live erleben will, kommt am AI Experiments Plugin nicht vorbei. Es ist das kanonische Plugin des offiziellen WordPress AI-Teams.
- Voraussetzung: WordPress 7.0.
- Highlight: Der Abilities Explorer. Mit diesem Tool können Administratoren und Entwickler tief in das System eintauchen und sehen, welche Fähigkeiten ihre WordPress-Instanz der «KI» bereits zur Verfügung stellt.
Fazit: Die KI-Revolution im Maschinenraum
Mit WordPress 7.0 verabschieden wir uns von isolierten KI-Chatbots innerhalb von WordPress. Wir bewegen uns hin zu einem System, das KI als native Ressource begreift, genau wie PHP oder MySQL.
Noch fehlt uns die Feinsteuerung über den Token-Verbrauch, aber das Fundament steht. WordPress ist bereit, nicht mehr nur Inhalte zu verwalten, sondern sie intelligent zu verstehen und zu verarbeiten.
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